Ist ein Bardino der richtige Hund für mich/uns?

  • Ist ein Bardino der richtige Hund für mich?


    Bardinos sind ohne Frage besondere Hunde. Sie sind stark, schön, selten und loyal.
    Erstmal ein Traum, so denkt jeder Interessent.
    Aber nicht selten kommt es dann leider nach der Eingewöhnungszeit zu großen Problemen, bei manchen sogar zur Trennung.
    Warum ist das so?
    Wir wollen hier mal ein bischen über die Eigenschaften und unsere eigenen Erfahrungen berichten.


    Wenn man Bardinobesitzer fragt, bekommt man oft unterschiedliche Aussagen über den Charakter, manche sagen, ihre Hunde sind sehr sportlich und kinderlieb, andere sagen, der Bardino bewegt sich so wenig wie möglich und fremde Menschen sind ihm zuwider. Die meisten von uns haben Bardino-Mixe und auch hier spielt „der andere Part“ eben eine große Rolle, also kommt es durchaus zu Abweichungen im Verhalten einzelner Hunde zu den unten genannten Beschreibungen.


    Der Bardino kommt von den kanarischen Inseln, vorrangig aus Fuerteventura. Er bewacht dort die Häuser und Fincas, man findet ihn ebenso in den Tierherden, wo er meistens „ruht“ und die Herden bei Bedarf bewacht und beschützt. Eigentlich spricht diese Aussage ja nun eher für einen Herdenschutzhund, wie für einen „Hütehund der Kanaren“. In der Tat sollte man den Schutztrieb des Bardinos nicht unterschützen. Er braucht ganz klare Führung, ohne jegliche Art von Gewalt. Fasst man einen Bardino hart und grob an, wird er in der Regel noch stärker, nicht nur gegen die Hand die ihn hält, sondern vorallem gegen sein Gegenüber, denn seinem Besitzer ist der Bardino immer loyal. Umgesetzt auf das Einfamilienhaus in Deutschland bedeutet das nun, da der Bardino ein durchaus territorialer Hund ist (einmal einen Raum betreten, gehört das Reich ihm), dass er sich seine „Herde“ und sein Grundstück selber zusammensucht. Das bedeutet, die Familie ersetzt die fehlende Herde. Und diese würde er notfalls mit seinem Leben verteidigen. Die Familie kann ggf. auch erweitert werden. Umso früher der Bardino lernt, dass Nachbarn, Großeltern und Freunde auch zum „Rudel“ gehören, umso besser.


    Der Bardino „hinterfragt“ gerne. Immer wieder, vorallem in seinen ersten 3 Lebensjahren, checkt der Bardino, wer eigentlich Chef des Rudels ist.
    Hier heisst es wirklich „durchsetzen“. Aber bitte nicht mit Gewalt! Denn der Bardino ist sehr hart im Nehmen und durch Schläge, auf den Boden oder Rücken drehen und drücken, lernt er nur, dass Sie eindeutig nicht Herr der Lage sind und wird ggf. das Vertrauen zu Ihnen verlieren. Man muss lernen die Körpersprache des Hundes und insbesondere seines eigenen Bardinos zu lesen und rechtzeitig einzuwirken. Kann man das nicht, sollte man keine Kosten und Mühen scheuen und vorallem bereit dazu sein, einen GUTEN Hundetrainer aufzusuchen. Hundetrainer gibt es seit einigen Jahren unendlich viele. Aber nur, weil sie 50 € die Stunde kosten, heisst es noch lange nicht, dass sie „gut“ sind. Oft werden hier Methoden vorgeschlagen, die zwar bei Nachbars Labrador funktioniert haben, aber bei Ihrem Bardino einfach nicht fruchten. Viele dieser Trainer kennen den Bardino nicht mal. Viele mögen keine Hunde aus dem Ausland und die Erziehung eines vermeintlichen Herdenschutzhundes, oder eben eines charakterlich sehr starken und willenstarken Hundes ist ihnen doch fremd. Zugeben werden sie das natürlich nicht, denn sie verdienen damit ja ihr Geld.


    Also bitte suchen Sie GRÜNDLICH nach einem Trainer, Ihr Kind (Babysitter) oder die Oma (Pflegeheim) würden Sie ja auch nicht jedem überlassen. Denken Sie daran, dass was sie ihm JETZT beibringen, das bleibt und ein Bardino kann lange und glücklich leben – die Investition lohnt sich!


    Ein Bardino ist ein unheimlich toller Hund! Er ist treu, loyal, souverän, wunderschön, unbestechlich, leise, ruhig im Haus, sensibel, intelligent, beobachtet gerne, neigt zum „Kontrollfreak“, wachsam, zeigt keine Schmerzen, erstmal misstrauisch gegenüber Fremden, nachtragend, anhänglich, will am liebsten immer dabei sein und wenn er einmal eine Entscheidung getroffen hat, dann zieht er die auch durch!


    Mit diesen Eigenschaften würde ich sagen, dass der Bardino KEIN Anfängerhund ist!


    Bardinos und andere Tiere: der ursprüngliche Bardino hat eigentlich keinen Jagdtrieb. Aber ich muss gestehen, dass ich nur 2 Bardinos kenne, die tatsächlich keinen besitzen. Im Vergleich zu Jack Russels, Pointern und Labradoren haben sie natürlich viel weniger Jagdtrieb, aber einmal eine Spur in der Nase, kann die durchaus interessant sein!
    Mit anderen Hunden haben sie selten Probleme. An Katzen und andere Haustiere gewöhnen sich die meisten schnell.


    Bardinos und Kinder: auch hier gibt es ganz unterschiedliche Ansätze und Erfahrungen. Bardinos können durchaus sehr liebevoll mit Babys und Kleinkindern umgehen. In der Regel bemerkt man aber, dass der Bardino Kinder nicht „ernst“ nimmt. Ist seine „Leitperson“ dabei, ist es in der Regel kein Problem bei den eigenen Kindern. Kinder ab Teenageralter können das Bardino-handling genauso erlernen wie die Erwachsenen auch. Dennoch möchten wir hier einfach warnen: Kinder sind nunmal einfach laut. Sie spielen Fangen, verstecken sich – kreischen dabei, schreien dabei, lassen sich fallen, raufen – Kinder eben! Aber, der Bardino könnte das durchaus als Angriff auf Ihr Kind deuten! Und dann?!?!?
    Bitte bedenken Sie bei allem was Sie tun, dass der Bardino ein Wachhund ist und er diese Aufgabe zu 100% erfüllt, DAS ist sein Job! Sie können sich nicht wünschen, dass er einen Einbrecher stellt, aber dern lang vermissten Freund, der ohne zu fragen durch das Gartentor kommt, nicht. Woher soll er den Unterschied kennen?


    Ich habe diesen Text geschrieben, weil ich viele Vermittlungsgespräche geführt habe und viele Ihrer Fragen kenne. Vielen Menschen sind unendlich begeistert von diesen wunderschönen, fantastischen Tieren. Und viele sind selbstbewusst und sagen „Das schaff ich!“ aber leider sind eben auch viele gescheitert.


    Ich freu mich über jeden, der einem Hund aus dem Tierschutz (egal woher) eine Chance gibt, denn sie haben es alle verdient. Was sie nicht verdient haben, ist 9 Stunden im Flugzeug zu sitzen, eine Klimaumstellung, sich an eine vollkommen neue Umgebung und Familie gewöhnen zu müssen, neue Regeln zu lernen und dann die Feststellung, dass sie doch nicht bleiben dürfen, weil die Vorstellungen andere waren. Für den Bardino, für den das Rudel das wichtigste ist, ist das ein halber Weltuntergang.
    Bitte denken Sie daran: mit der Anschaffung eines Bardinos haben Sie Verantwortung übernommen! Sie haben ihm eine neue Chance für ein künftig besseres Leben gegeben. Es liegt an Ihnen und Ihrem Einsatz, dass er zu einem Familienmitglied wird.


    Beachtet man die Ansprüche und das Wesen dieser Hunde, hat man wohl den treuesten Freund, den man sich vorstellen kann, viele sprechen vom „Seelenhund“ schlechthin!

    Viele liebe Grüße
    Sanny mit Prinzessin-Lisifee feinmachen.gif, Queen-Katie gi30.gif und Noomi im Herzen<3kerze_0005.gif
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